Bin zwar älter ,aber immer noch Mutter

beobachtungunterwegs
heute morgen ging ich zu Fuß zum Edeka. So ganz entspannt schlenderte ich die lange Ortsstraße entlang, denn das gefiel mir, wegen der Bewegung die ich nun haben würde.
Der Marktplatz lag noch etwas entfernt, in dessen Nähe sich ein Kindergarten befindet. Als ich den Marktplatz erreichte, sah ich eine junge Frau mit einem Kinderwagen. Mir fiel der Kinderwagen auf ,durch seine Einfachheit. Das ist nicht abwertend gemeint.

Ich komme ihr näher und will den Tagesgruß sagen. Nach ganz kurzem Blickkontakt schaut sie weg. Wir sind so nah bei einander, das ich das höchstens ein paar Tage junge Baby wie von der Tarantel gestochen , aus dem Kinderwagen schreien höre.

Alle Mütter die jemals entbunden ,haben sofort ein Brutpflegempfinden parat , das etwas in so einem Kindlein vor sich gehen muss. Hunger, superfeuchte Windel, Bauchweh und Sehnsucht nach der Berührung der Mutter, geben so einem kleinen hilflosen Menschlein viel Kraft in die Lunge zum schreien um auf sich aufmerksam zu machen. Das ist wohl deren alleinige Art , sich zu artikulieren, sagte mir jetzt mein Herz.

Ich ging meines Weges weiter und das Kind schrie, als wenn es mir nachschrie. (Ich weis, man kann sich auch etwas einbilden und das war hier bestimmt der Fall, Kinder schreien eben)
Aber das Geschrei fuhr in meine Beine und ich blieb wie in den Boden geschlagen stehen. Als wenn eine unsichtbare Macht zu mir sprach das weitere zu beobachten.
Ich schaute zur jungen Frau und fragte mich, warum sie denn nicht mal ihre Hände zum Kind führt, zur Beruhigung. Mal nachschaut was da los ist ,unter diesem Kinderwagendach. Mal ihre Stimme an das Kleine richtet.
Ich musste sie zwanghaft beobachten ,es war mir egal ob sie mich sehen würde oder nicht, aber ich und im roten Anorak war nicht zu übersehen. Ich blieb also stehen ,weil sie plötzlich auch stehen blieb und anfing den Kinderwagen hin -und her zuschieben.

In schnellem Ablauf, so, als wenn man die Räder des Wagens ordnen wollte das sie in die richtige Spur kommen. So etwa wie man seinen Einkaufswagen im Laden energisch hin und her rollt wenn er nicht seine Richtung hält. Sie blieb stehen und schob hin und her und hin und her.

Was macht sie denn so lang? Die Räder prüfen bis sie abfallen oder das Kind in Ohnmacht gefallen ist? Was macht sie da? Ich war ratlos.
Dann schaute sie auf und sah sie mich von weitem und fuhr den Kinderwagen hinter ein parkendes Auto. Ich konnte sie immer noch sehen. Keine liebliche Zuwendung wurde dem Kind zu teil –es war diesem hin und her rollenden Kinderwagen ausgeliefert.
Durch ihren Positionswechsel der direkt am Kindergartengelände endete, bekam ich Hoffnung. Ich hoffte das sie ein –oder ihr anderes—Kind abholte und vielleicht nur im Stress war. Sie stand mit dem Gesicht zum Zaun des Kindergartens und schob immer noch. Das löste mein angewachsen sein und ich ging mit zwei drei Nachschauenden Blicken meines Weges. Ich überlegte noch lange was alles hätte sein können. So ist das manchmal mit den alten Müttern.

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