Braune Lederstiefelchen.

Ich weis ja nicht mehr wie alt ich war. Aber es war Vor-Schulisch e Zeit.Meine Mutter konnte mich noch auf den Arm nehmen. Also denke ich drei -vier Jahre werden es gewesen sein.
Also=Wie der Tag war Witterungsmäßig weis ich nicht mehr, aber beim rausgehen hatte ich keinen Mantel anziehen müssen , als meine Mutter mit mir in den Hof ging an die blechernen Mülltonnen.

An diesem Tag stand ich auf wie immer. Ich durfte sehr oft bei Oma im Bett schlafen. So hatte ich neben dem Bett ein Nachtschränkchen mit ihr geteilt.Und hier durfte ich meine kleinen Stiefelchen hineinstellen neben Oma´s großen schwarzen Schuhen mit dickem Klobenabsatz.Das war schön-das war ein Ritual.
An diesem Tag ging ich wie in der letzten Zeit ans Nachtschränkchen und meine Schuhe waren nicht an ihrem Platz. Aber es standen irgendwelche ähnlichen dort. Ich ahnte unbewusst etwas und lief zur Mutter. Die Mutter sagte, sie habe die in die Mülltonne geworfen und mir schöne neue gekauft. Denn die Füßchen von kleinen Mädchen würden ja so schnell wachsen wie nicht sonst. Und dann gehen die Füßchen kaputt wenn der Schuh drückt .

Dann stand die junge Mutter da mit ihrem „kurzem Hemd“ und sah die kleine pemmi heulen und jammern und nörgeln.Ich verspürte fürchterlichen Schmerz in meiner Brust—nein es war Wut. Wie konnte meine Mama so etwas tun.Das gehörte zu mir .Das doch meins.Ich steigerte mich dermaßen hinein das ich —wie alle Mütter das kennen —keine Luft mehr holen konnte.Ich schrie –ich stampfte mit den Füßen–heute würde man sagen—ich rastete komplett aus.
Die Mutter war betroffen das weis ich heute noch. In geringer ausfallenden Anfällen sang sie einfach das „heile heile Gänsje“—ein Wundermittel bei der überdrehten pemmi–die fast auf der Stelle einschlief. Aber hier und heute half kein Gäns´jen mehr. Ich wollte mir das antun und sehen wie die Schühchen dort in der Tonne sind. Und wir sind wirklich an die Tonne.Meine Mutter hatte nicht gelogen ,nein. Sie packte mich auf den Arm. Meine Rotznase hinterließ bestimmt Spuren im Treppenhaus und mein Geheule mobilisierte die Nachbarn im Altbau in ihren Wohnungen die Ohren . Schwupp die Wupp-waren wir schnellstens an der Mülltonne. Deckel auf und ja —da waren sie. Ich sah keinen Müll nur meine allerliebsten Stiefelletten. Wie schwer so manchen Steine sein können die vom Herzen fallen.Wie in der Wüste versickerten alle Tränen in mich zurück–die Augen waren sofort klar durch diesen Anblick. Mein Gesicht entspannte total…und das weinerliche Luftholen setzte baldigst aus und ich atmete wieder normal.Die Welt war wieder in Ordnung (es rührt mich nach über 60 Jahren gerade im Moment noch einmal)Wir gingen zurück. Und Gisela wusste was sie tun musste. Dem Kind die Schuhe lassen–es wird sie immer wieder anprobieren und bald selbst feststellen das sie nicht mehr an diese Füße passen.Ist das nicht eine liebe Mama gewesen.Doch,ich weis es.

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