So war das

in der Pubertät war ich  zufrieden über  mein Aussehen. Ich fiel ein wenig  aus der Reihe durch das schwarzen Haar  mit Pagenkopf. Hatte  einen etwas Indigenen Einschlag vom ansehen her ,aber nur ein wenig. Die  anderen  Mädels  waren  oft  blond  oder braun und  ja, es gab  auch Zöpfe bei manchen.

Mein Vater  war  Amerikanischer Armeeangehöriger  und ich ein sogenanntes Besatzerkind. Er  war bei meiner Geburt  dabei und half  meiner Mutter  so wie das ein Mann tun kann. Das war 1952 am 14.Januar.  14 Tage  nach  meiner Geburt  bekam  er einen Versetzungsbefehl  nach Korea. Ich lernte ihn  nie  kennen ,halt—doch später als ich  11 Jahre alt war. Er war da  in England stationiert  und  leistete  sich die Reise  nach  Wiesbaden, um  meine Mutter  und mich  zu besuchen.

Ein Haufen  an Geschichten die ich  bis dahin mit – oder durch meine Mutter mitgemacht hatte als Kind, stand er eines Tages vor mir in  seiner Uniform. Ich weis noch, das ich ihm die Tür  öffnete und sofort das Gefühl hatte  ihn hereinzubitten und es angenehm  war  ihn  zu sehen. Anhand des  kleinen Schildchens, das an seiner Uniform  steckte auf dem der Name stand ,erkannte ich ihn als meinen Vater.In diesem  molligen  Gefühl  wechselte ich noch ein paar Worte  mit meiner Mutter und ging  zur Freundin.Ich spürte das die beiden  gerne alleine wären.Er fragte  mich ob  ich  ihm ein Haarsträhne von meinemHaar  geben würde.Und  die Mutter holte die Schere  und schnitt ein  paar Häärchen ab.Er streichelte mir liebevoll die Wange und war  überhaupft sehr höflich  und angenehm.

Später spürte ich heraus ,das das beide nicht friedlich auseinander gegangen sind. Meine Mutter sagte, er habe eine Salami mitgebracht , die beide gerne  früher gegessen hätten–und die wurde während seines Aufenthaltes bei ihr  nicht angerührt. Beide habe sich wohl nicht mehr gut verstanden und er hätte die Wohnung schnellstens  verlassen und die Salami vergessen. Er sei doch tatsächlich zurückgekommen und habe die Wurst wieder abgeholt. Das ist das einzigste  was ich bis jetzt von den beiden  selbst  miterlebte……  .na ja so halb halt.

Meine Mutter ist  1929  geboren    ich kam  zur Welt 1952 ,also war  meine Mutter  23 Jahre. Nach  meiner Geburt  war sie immer noch schön  und viele kannten sie, viele .Auch verkehrten in unserer Dach-Wohnung viele , hauptsächlich Männer. Junge Männer, junge Soldaten.

Oft wurde ich in der Nacht wach  von Geheule  oder Schreierei  oder von Gestöhne. Manchmal ging ich zum Schlüsseloch  hin dort wo das alles herkam ,das mir direkt in Augenhöhe war  und ich konnte sehen wie zwei nicht angezogene Menschen auf einander lagen oder einer schmuste an meiner Mamma  herum  oder sie unterhielt sich  oder sie weinte und sagte immer einen Namen „Smookey“ und  SaltLake  City.Sie sagte es so  oft das ich die Worte verinnerlichte und auch nebenbei englisch lernte. Ich wuchs  ja  mit Oma  und Mutter auf.

Oma  und meine Mutter hatten auch oft einen Streit. Abends lackierte sie die Nägel  nach-machte die Lockenwickler raus und fuhr  mit ihren Fingern einfach durch ihr kurzes Haar…….und schon war sie schön. Sie hatte einen Astor Lippenstift  und immer die selbe Farbe  und sie hatte einen schönen Schmollmund. Ein Pünktchen auf der Backe mit Augenbrauenstift….mehr brauchte sie nicht. Schöne Kleider bekam  sie von einer Freundin aus dem Vorderhaus.  Perfekt.  Sie ging Abends in die Bars  wo die anderen Soldaten  waren und Oma passte auf  mich auf.  Tagsüber  ging meine schöne Mutter oft mit mir aus. Sie kannte so viel Leute und war sehr beliebt. Auch  ich  bekam  viel Aufmerksamkeit , wenn wir  zwei unterwegs  waren. Tagsüber durfte ich immer mit und umso weniger verstand ich es, das ich Abends nicht mitdurfte. Das war schrecklich  und ich brüllte und weinte, Oma  hatte dann den Salat.Sie war so schön zurechtgemacht und sie ging ohne mich……

Was mir  als Teeny  dann völlig  normal  vorkam ,nämlich das man sich schminken kann  und wenn man noch schönen Schmuck  hat  um so besser. Und so übernahm  ich das  und bretzele ich mich heute noch auf und habe es gerne  wenn ich angenehm auffalle. Auch mein Naturell ist freundlich. So  kann ich das bewahren was meine  Mutter vor ihrem Tod  sagte,,sei  immer gut und halt den Kopf  hoch“

Sie ist bald dem Alkohol verfallen und hatte einen  hohen Offizier als Freund ,der auch gerne einen trank, er war öfters  bei uns .Ein stattlicher ,nicht fetter, aber stattlicher, gut  aussehender Fränk. Der brachte reichlich Nahrung und  Galonen von Jacky mit.  Eines Nachts verunglückten beide so schwer  und meine Mutter war für immer entstellt. Eine  Narbe vom Kinn über das Auge  hoch bin in die Augenbraue  brach alles was noch  glühen könnte in  ihr. Das war 1958  ich war also 6 Jahre.

Sie war  gebrochen.Ging fast nicht mehr aus und wenn dann in deutsch  Kneipen. Irgendwelche anderen Subjekte kamen  und gingen in  unsere Wohnung. Dann wurde ich wie gesagt 11 und sah den Vater- Und mit 14  ging  ich  in die Lehre. Ich lernte Kürschnerin und schloss  die Lehre ab. 1968  starb dann meine Oma.1969 auf Silvester starb  eine Mutter mit 40 Jahren .Da ich noch nicht ausgelernt hatte  und 18 war—war  ich eine Waise  und hatte einen Betreuer vom Jugendamt.Um  mich nicht in ein Heim  zu verfrachten durfte ich alleine in dieser Wohnung wohnen. Die Betreuerin  kam  von Zeit  zu Zeit.Ich  hatte einen Freund seit  ich vierzehn war bis ich zwanzig wurde. Seine Eltern waren vorbildlich zu mir und ich hatte so was wie eine Ersatzfamilie. Dann lernte ich mit zwanzig  meinen Mann kennen und den hab ich heute noch. So war das.

 

 

4 Gedanken zu “So war das

    1. Bitte ,es war mir danach,liebe Elke.
      Zu dem Text der im groben mein Leben beschreibt werde ich nach und nach Details von mir geben. Mir muss nur danach sein.Denn ich war sehr sehr überrascht über die Resonanz und da wurde mir erst mal .nach 64 Jahren bewußt , wie nackisch ich mich gemacht habe und ich mußte auf der Stelle weinen. Es ist auch in Facebook gelandet und ich dachte mir,,oh jesses.Aber es ist schon wieder viel Wasser den Rhein heruntergelaufen.Und eigentlich wollte ich schreiben wie es kam das ich so bin wie das Pamchen ist.Vielmehr ….wie ich glaube,steckt dahinter das alles so gekommen ist wie es ist. Mit den paar Assoziationen die ich so habe ,und die Fitzel von Alltagsspychologie will ich mehr von mir preisgeben—vielleicht eröffnet es mir ja ganz andere Perspektiven- Der tiefere Grund ist die Frage warum ich so adipös bin.Vielleicht gibt es einen Zusammenhang.Deine Gedanken dazu würde ich schätzen.

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  1. So war das.
    Ein paar Zeilen nur und doch hast du damit große Teile von zwei Leben erzählt. Es ist viel passiert, bis zu 20 wurdest und für einige Minuten kam es mir vor, als würde ich die ersten Seiten eines Buches lesen.

    Liebe Grüße

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